Stilsichere Wanderer zwischen Monteverdi und Rock

(Saarbrücker Zeitung, 12.06.2006 – Originalartikel als PDF)

Gemischter Saarbrücker Herrenchor feiert Fünfjähriges mit feinem Konzert voller Vielfalt

Er pflegt das alte Volkslied und den jungen Grönemeyer-Hit, kann komisch sein wie Trude Herr und sich schnurstracks in die Herzen singen. Seit fünf Jahren tut er's, der Gemischte Saarbrücker Männerchor.

Von SZ-Mitarbeiterin Kerstin Krämer

Saarbrücken. Eingangs gibt's den gespielten Witz: Stehen zwei verlegen drein schauende Männer auf der Bühne und tun so, als ob sie überhaupt nicht singen können. Doch dann wird die Stimme sicherer, der Blick offener, und als noch andere Kerls zur Rückenstärkung hinzukommen, schwelgt das ganze Ensemble bald mopsvergnügt im Calypso-Rhythmus. Ein bisschen Spaß muss sein. Schließlich ist der Gemischte Saarbrücker Herrenchor nicht irgendein Männergesangsverein. Im Juni 2001 als Projekt des Lesben- und Schwulenverbandes Saar gestartet, hat er seither drei Programme gestemmt und feierte am Samstag in der Garage seinen fünften Geburtstag.

Trotz Fußball-WM waren viele gekommen, um dem stilistisch breit gefächerten Geburtstags-Repertoire zu lauschen. Auch garderobentechnisch trieben es die Herren bunt: Zunächst in fröhlich-farbige Hemden gewandet, schlüpften sie danach in Folkore-Leibchen und präsentierten im ersten Teil des Jubiläumskonzertes Traditionals aus Afrika, Kinderlieder aus dem ehemaligen Jugoslawien, Friedenslieder aus Aserbeidschan und Klassisches von Claudio Monteverdi oder Pierre Attaignant, in der jeweiligen Landessprache gesungen, versteht sich. Und mit Mut zum Solo – ganz ohne Mikro. Doch ohne weibliche Unterstützung kommen auch die besten Männer nicht aus: An E-Piano und Klarinette begleiteten Andrea Hermann und Lena Grüner; als Gast gefiel Joaquina Siquice mit groovigem Bongo-Getrommel und ausgelassenem Lead-Gesang.

Und ohne die resolute Chefin ginge gar nichts: Amei Scheib, die ihren mehr als 20 Männern die Lieder auf den Leib arrangiert und sie nicht nur vokal trimmt, sondern auch Bühnenbenimm lehrt. Indem sie mit Ingo Fromm (Choreografie) dafür sorgt, dass die Jungs nicht verklemmt rumstehen: Unter Scheibs jovialer Fuchtel wird geschunkelt, geschnippt und gefrotzelt und werden kesse Tanzschrittchen probiert. Was das starke Geschlecht gesanglich wirklich draufhat, wurde nach der Pause deutlich, als es – feierlich beschlipst und die Chefin im frechen kleinen Schwarzen - deutsches Liedgut aus verschiedenen Jahrhunderten präsentierte.

Gut, an Intonation und Taktgefühl hapert es hier und da noch. Doch ist bereits ein gutes Gespür für Gestaltung und dynamische Differenzierung erkennbar, sehr schön etwa bei Friedrich Glücks anrührend gebrachtem „In einem kühlen Grunde”. Auch Noten von Brecht und Eisler liegen den Herren ausgezeichnet, ebenso mit Komik verzierter Grönemeyer-Rock oder olle Schlager von Trude Herr. Zugaben!