Chilenische Lyrik, griechisch vertont

(Saarbrücker Zeitung, 24.11.2007)

Amei Scheib wagt sich an Großchor-Projekt ,,Canto General“: Konzert am 8. Dezember

Am 8. Dezember präsentiert Amei Scheib in Saarbrücken ein ambitioniertes Chorprojekt mit rund 90 Vokalisten: Den ,,Canto General“ – die von Mikis Theodorakis vertonten Gedichte des chilenischen Dichters Neruda.

Saarbrücken. Dass ihre Schäfchen ihre Chorleiterin tierisch gut finden und selbige Humor hat, beweist ein Schild, das sie bei Proben aufstellt: „Hier dirigiert Amei Senbär“ prangt darauf – der Name Amei Scheib provoziert nun mal Frozzeleien. Momentan vagabundiert besagtes Schild durch diverse Proberäume, so auch durchs Malstatter Kulturzentrum Breite 63, wo die resolute Chorchefin zur ersten Tutti-Probe Ende September einen beeindruckenden Klangkörper aus rund 90 Vokalisten regelt: Hier singen ihr „Gemischter Saarbrücker Damenchor“ und ihr „Gemischter Saarbrücker Herrenchor“ sowie ein paar Gäste gemeinsam. Nicht, dass Scheib den zweifelhaften Anspruch hegen würde, ein weiblicher Gotthilf Fischer zu werden. Aber um den qualitativen Ansprüchen eines „Canto General“ gerecht zu werden, brauche es mindestens 60 Stimmen inklusive zweier Gesangssolisten, erläutert die Musikwissenschaftlerin. Außerdem zahlreiche Instrumentalisten, die sie unter anderem aus SR-Orchester und Musikhochschule Karlsruhe rekrutiert hat.

Dem „Canto General“ zugrunde liegt der 1950 vollendete, gleichnamige Gedichtzyklus des chilenischen Literatur-Nobelpreisträgers Pablo Neruda, der darin die Geschichte Lateinamerikas beschreibt. Vertont hat den Text der griechische Komponist Mikis Theodorakis; die erste vollständige Aufführung erlebte das durch seine Rhythmik bestechende und in traditioneller griechischer Musik wurzelnde Oratorium 1981 in Berlin. Es gilt als Symbol der Freiheitsbewegung. „Das Werk begleitet mich schon lange“, erzählt Scheib, die anlässlich der Aufstände und Niederschlagung der chilenischen Diktatur selbst zum ersten Mal auf der Straße protestierte. Nun, da ihr vor fünf Jahren gegründeter Herrenchor auf ansehnliche Größe gewachsen und mit den routinierteren Damen mithalten könne, sei endlich Gelegenheit, sich den lange gehegten Wunsch zu erfüllen. Zum ersten Mal agieren beide Chöre in größerem Rahmen gemeinsam. Geprobt wird seit über einem Jahr, gesungen in chilenischer Originalsprache. Ein anspruchsvolles Vorhaben – auch finanziell: Gagen und Hallenmiete müssen aus eigener Tasche finanziert werden. Doch stämmt man nicht das ganze Werk: Von 13 Stücken werden fünf gesungen, die Scheib nach inhaltlichen wie musikalischen Gesichtspunkten ausgewählt hat. Weiterhin auf dem Programm: das experimentelle „Requiem für die durstige Erde“ (1968) der rumänischen Komponistin Myriam Marbé (1931-1997) und das Instrumentalstück „Marimba Spiritual“ (1983) des Japaners Minoru Miki (geboren 1930). kek